MUEPRO_Abb1b_Schiene-verformt_684x192

Brandsichere Befestigung für Flucht- und Rettungswege: Statische Berechnung oder praktische Brandprüfung?

Beim Einsatz von Befestigungstechnik zur Rohrleitungsinstallation in Flucht- und Rettungswegen mit hohen Brandschutzanforderungen lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Welches Verfahren hat der Hersteller angewandt, um Aussagen zum Brandverhalten seiner Befestigungstechnik machen zu können? Insbesondere bei Systemschienen ergeben sich mitunter eklatante Unterschiede in der Belastbarkeit der Aussagen zum Brandverhalten wie jüngste Untersuchungen zeigen.
 

Die Frage nach Brandverhalten und Feuerwiderstand von Befestigungstechnik wie Systemschienen, Rohrschellen und Dübeln stellt sich insbesondere bei der Installation von Leitungsanlagen in Flucht- und Rettungswegen. Gemäß Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) ist diese nur dann erlaubt, wenn im Brandfall eine sichere Nutzung der Fluchtwege über einen bestimmten Zeitraum hinweg gewährleistet ist. Auch beim Einziehen einer brandschutztechnisch wirksamen Unterdecke muss sichergestellt sein, dass darüber verbaute Befestigungen brandsicher sind, so dass die Unterdecke auch im Brandfall nicht durch herabfallende oder sich absenkende Leitungen und Bauteile beschädigt werden kann. Die Auswirkungen hoher Temperaturen auf die Belastbarkeit von Stahl ist dabei nicht zu unterschätzen: Die nachlassende Festigkeit des Materials kann zu massiven Verformungen führen (vgl. Abb.1a und 1b).
 
Beim Einsatz von Systemschienen zur Rohrleitungsbefestigung müssen deshalb entsprechende Nachweise über das Brandverhalten der Produkte vorliegen. Eine Klassifizierung nach DIN 4102 ist für Systemschienen (wie auch für Rohrschellen) jedoch nicht möglich, da diese nicht als tragende Bauteile im Sinne der Norm gelten. Der Nachweis über die Feuerwiderstandsfähigkeit von Systemschienen muss deshalb vom Hersteller auf andere Art erbracht werden, damit seine Produkte in Bereichen mit entsprechenden Brandschutzanforderungen eingesetzt werden können.
 
Für diesen Nachweis boten sich bisher zwei Möglichkeiten an: praktische Brandprüfungen und statische Berechnungen. Bei den Brandprüfungen, die von den Materialprüfungsämtern der Länder durchgeführt werden, wird entsprechend der DIN EN 1363-1 ein Brandfall simuliert: In einer Brennkammer werden die zu prüfenden Produkte mit unterschiedlichen Lasten kontrollierter Hitzeeinwirkung ausgesetzt und ihr Brandverhalten dokumentiert. Die Brandprüfergebnisse lassen dann belastbare Aussagen über die Feuerwiderstandsfähigkeit sowie Verformungen der geprüften Produkte zu. Sie dienen damit als Datenbasis, um seitens des Herstellers Vorgaben zur fachgerechten und brandsicheren Installation auch in anspruchsvollen Bereichen wie Flucht- und Rettungswegen machen zu können. 
 
Andere Hersteller setzen für den Nachweis des Verhaltens von Systemschienen im Brandfall überwiegend auf statische Berechnungen. Die rechnerischen Aussagen über das Brandverhalten treffen sie dabei auf Basis der DIN EN 1993-1-2 (Eurocode 3). Diese gilt für die Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten und macht unter anderem Aussagen über die Werkstoffeigenschaften von Baustählen unter Brandeinwirkung. Insbesondere der Vermerk, dass die in der Norm angegebenen Verfahren auch für kaltgeformte, dünnwandige Bauteile gelten, legt eine Anwendung der Norm bei der Beurteilung vom Brandverhalten von Systemschienen zur Rohrleitungsbefestigung nahe. Rechnerische Aussagen zum Verhalten von Systemschienen unter Brandeinwirkungen waren auf Basis der DIN EN 1993-1-2 daher bisher als Nachweis anerkannt.
 
In Brandversuchen wurden diese rechnerischen Aussagen nun jüngst durch die RAL Gütegemeinschaft Rohrbefestigung experimentell geprüft. Das Ergebnis: Die experimentell ermittelten Verformungswerte übersteigen die nach DIN EN 1993-1-2 errechneten Werte deutlich. Auch Dr.-Ing. Peter Nause von der MPA Braunschweig kommt bei seinen Forschungen zu folgendem Schluss: „Reine rechnerische Nachweise auf der Grundlage der Zugspannungsbeschränkungen gemäß DIN 4102 Teil 4 erlauben keinerlei realistische Aussagen.“  Für die Praxis bedeutet das, dass rein rechnerisch beurteilte Systemschienen, die zur Rohrleitungsinstallation eingesetzt werden, im Brandfall gegebenenfalls keinen ausreichenden Feuerwiderstand aufweisen und durch Verformung die Funktionalität einer darunter liegenden Brandschutzdecke beeinträchtigen können. Die RAL Gütegemeinschaft empfiehlt aufgrund dieser Ergebnisse, die Beurteilung des Brandverhaltens von Systemschienen auf Basis von Berechnungen unter Anwendung der DIN EN 1993-2-1 vorerst auszusetzen und stattdessen eine Beurteilung auf Basis von Brandprüfungen anzuwenden.
 
Als Befestigungsspezialist bietet MÜPRO ein breites Sortiment an brandgeprüfter Befestigung an, das stetig erweitert wird. Der Vergleich von Brandprüfergebnissen von MÜPRO Systemschienen mit entsprechend errechneten Werten nach oben genanntem Vorgehen bestätigt die Aussagen der RAL Gütegemeinschaft (siehe Abb. 2). Brandgeprüfte Befestigungen, wie die Produktlösungen von MÜPRO, ermöglichen dem Anwender damit qualitativ hochwertige und zuverlässige Installationen nach dem neusten Stand der Technik – auch in Bereichen mit besonders hohen brandschutztechnischen Anforderungen.

Die gesamte Pressemeldung steht Ihnen unten als PDF zum Download zur Verfügung. Weitere Informationen zu brandgeprüfter Befestigungstechnik von MÜPRO finden Sie hier sowie im MÜPRO Online-Shop.

Presseinformation zum Download

MÜPRO Presseinformation Brandgeprüfte Befestigung_Verfahren